nur noch kurz die welt retten

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Hallo. Mein Name ist Carina. Ich bin 23 Jahre jung, vom Sternzeichen Schütze. Ich besitze mehr Sonnenbrillen als Unterhosen und trage Schuhgröße 37. Ich liebe den salzigen Geruch des Meeres und Schaumbäder, die so heiß sind, dass meine Haut rot aufquillt. Außerdem mag ich es, am Lagerfeuer Marshmellows zu rösten. Ich liebe den Sternenhimmel, ihn zu betrachten wirkt meditierend auf meine Seele. Denn dann wird mir bewusst, wie klein und unbedeutend wir im Kontrast zur Tiefe des Universums sind und das tut irgendwie gut. Manchmal poste ich während ich im Bett liege, in der einen Hand eine Tüte salziger Chips, in der anderen ein Glas Spekulatiuscreme, von der ich mir während jeden Frankreichaufenthalt eine Jahresration anschaffe, auf Instagram ein Outfit oft the day vom vorigen Tag und gib mir selbst High Five. In Momenten wie diesen bin ich glücklich, ich feiere das Leben und nehme es nicht allzu ernst. Doch in letzter Zeit befällt mich oftmals inzwischen meiner vielen glücklichen Momente ein flaues Gefühl in der Magengrube, hervorgerufen durch meinen zweimonatigen Tansaniaaufenthalt vor knappen zwei Monaten. Spontan wie ich bin habe ich zu Weihnachten beschlossen, etwas Gutes zu tun. Gesagt getan: Ein paar Tage später fand ich mich völlig unvorbereitet in einem Waisenheim in Uhekule, einem 1200 Einwohnerdorf inmitten von Tansania. Ich war sorglos, endorphingeladen und abenteuerlustig und das war auch gut so, ansonsten hätte ich es ohne Strom und Leitungswasser definitiv nicht so lange ausgehalten. Ich durfte die wohl 17 herzallerliebsten Kinder kennen- und lieben lernen. Sie schenkten mir so viel Liebe, öffneten mein Herz und ja, sie öffneten auch meinen Verstand. 23 Jahre lang lebte ich nämlich mit der Vorstellung von einer heilen, friedvollen Welt. 23 Jahre lang lebte ich optimistisch, obwohl so viel Ungerechtigkeit vorherrscht. 23 Jahre lang lebte ich, ohne auch nur ein klitzekleines bisschen Ahnung von irgendetwas zu haben. Der Tansania-Aufenthalt öffnete mir meine Augen. Die naive Vorstellung einer heilen Welt ging flöten und gleichzeitig starb etwas in mir, als wäre ich aus einem wundervollen Traum aufgewacht. Zurück in Europa widert mich die Welt noch an. Ich sehne mich danach, dass die Wunde wieder zum Wunder wird und wünsche mit manchmal sogar, die Zeit in Afrika vergessen zu können- in meine heile, wenn auch naive Welt zurückzukehren. Und bei diesen Gedanken schäme ich mich für mich selbst. Ich habe sogar zu beten begonnen, obwohl ich nicht genau weiß, an wen oder was sich meine Gebete richten. Doch ich bete und das, obwohl ich bis vor kurzem Hohn für die Menschen empfunden habe, die Halt in einer höheren, unsichtbaren Kraft suchen. Jetzt, knappe zwei Monate nach meinem Afrikaaufenthalt, befinde ich mich in Frankreich. Ich verkaufe mich unter meinen Wert, absolviere ein unterbezahltes Praktikum bei einer semiguten Zeitung und übersetzte französische Nachrichten ins Deutsche. Es widert mich an, ist unwichtig in Relation zum Ganzen. Im Grunde kotzt mich derzeit alles was ich sehe und erlebe an, denn aufgrund dem Wissen, wie es in vielen Teilen der Erde zugeht, breitet sich in mir unaufhörlich ein schlechtes Gewissen aus, engt mich ein, zwingt mich, der Welt den Mittelfinger zu zeigen. Nun ja, während ich in meinem dunklen Zimmer in Frankreich sitze und ich nicht einmal durch den bittersüßen Geruch, der durch den exzessiven Haschkonsums meines Mitbewohners in der Luft liegt, in meine naive Welt entfliehen kann, beschließe ich, die Welt zu retten. Jawohl, ich werde die Welt retten!

3 Kommentare

  1. 07.06.2015 / 6:57 pm

    Yоur style іѕ uniwue in comparison tо other people I hae read stuff fгom.
    Thanmk you fօr posting ѡhen you’ve gott the opportunity,
    Guess I աill јust bookark tɦis blog.

  2. 08.06.2015 / 3:48 pm

    Wow, super geschriebener Text. Ich kann mir echt nicht vorstellen wie du dich gerade fühlst, aber stimmt in unserer Welt geht es schon komisch zu. Die einen halten alles für selbstverständlich und die anderen kämpfen ums Überleben.
    Wir sollten echt dankbar dafür sein, dass wir auf dieser Hälfte der Erde geboren sind und etwas für die Anderen tun, die es nicht so gut haben. Schon ein kleines bisschen kann viel ausmachen.

    Ich hoffe deine Mission die Welt zu retten wird funktionieren!

  3. 08.06.2015 / 5:13 pm

    I feel you!
    darüber haben wir ja schon mal beim pancakes-frühstück gesprochen. hoffentlich bald wieder <3

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